Die ganz besondere Neuburger Mundart: „s’Neiborjarisch“


Die Neuburger Mundart – eine Sprache für sich

Wer morgens in Neuburg beim Bäcker in der Schlange steht oder bei einem der zahlreichen Feste mit Neuburgern zusammensitzt und den Gesprächen lauscht, kmerkt schnell: Hier wird nicht einfach Pfälzisch gesprochen.

Die Neuburger Mundart – von den Einheimischen liebevoll „s’Neiborjarisch“ genannt – ist etwas ganz Besonderes. Sie klingt vertraut und doch anders, manchmal weich, manchmal überraschend eigenwillig und für Außenstehende oft nur schwer zu verstehen.

Selbst Menschen aus den umliegenden Dörfern müssen häufig zweimal hinhören. Und keine Sorge: Wenn Ihnen nicht jedes Wort sofort verständlich erscheint, sind Sie damit in bester Gesellschaft.

Denn die Neuburger Mundart ist weit mehr als nur ein Dialekt. Sie ist ein Stück Heimat, gelebte Geschichte und Ausdruck einer ganz eigenen Identität.

Ein kleines Beispiel

Wer sich als „Frammer“ – also als Fremder – an der Neuburger Mundart versuchen möchte, bekommt früher oder später z.B. diesen Satz zum Nachsprechen präsentiert: „S’gead e wässi Gaus de Saalagräddle Däch naus.“

Auf Hochdeutsch bedeutet das ungefähr: „Es geht eine weiße Gans den Seilerkräutleins Deich hinaus.

Klingt einfach? Dann dürfen Sie es gerne einmal laut aussprechen.
Unser Rat: Seien Sie nicht enttäuscht, wenn es nicht auf Anhieb gelingt. Und noch ein gut gemeinter Hinweis: Versuchen Sie besser nicht, die Neuburger Mundart nachzuahmen. Das gelingt Außenstehenden nur selten überzeugend – und die Neuburger erkennen das meist schon nach den ersten Worten. Natürlich mit einem Augenzwinkern.

Wie entstand dieser außergewöhnliche Dialekt?

Die Neuburger Mundart entwickelte sich über viele Jahrhunderte hinweg aus einer einzigartigen Mischung verschiedener Spracheinflüsse.

Pfälzische, badische und elsässische Dialekte trafen hier aufeinander. Hinzu kamen französische Begriffe, alte Redewendungen und Wörter, die andernorts längst verschwunden sind. So entstand nach und nach eine Sprachform, die in dieser Ausprägung nur in Neuburg zu finden ist.

Die Gründe dafür liegen in der bewegten Geschichte des Ortes. Neuburg gehörte im Laufe der Jahrhunderte unterschiedlichen Herrschaften an – darunter dem Bistum Speyer, den Grafen von Eberstein, den Herren von Lichtenberg, der Kurpfalz, Pfalz-Zweibrücken und zeitweise auch Frankreich.

Zudem waren viele Neuburger als Schiffer auf dem Rhein unterwegs. Von ihren Fahrten brachten sie nicht nur Waren, sondern auch neue Wörter, Redewendungen und sprachliche Eigenheiten mit nach Hause. Über Generationen entstand so eine Mundart, die bis heute ein unverwechselbares Merkmal des Ortes ist.

Mehr zur Neuburger Mundart

Wer noch tiefer in die „Neiborjer Schbraach“ eintauchen möchte, findet im Rheinauenmuseum weitere Informationen zur Geschichte und Entwicklung unserer Mundart.

Besonders beliebt ist auch das Buch „Neiborjer Schbraach“ von Werner Stieber. Es vermittelt auf unterhaltsame Weise die Besonderheiten des Neuburger Dialekts und sorgt bei Einheimischen wie Neubürgerinnen und Neubürgern regelmäßig für so manches Schmunzeln.

Und auch wenn heute längst nicht mehr jeder Neuburger ausschließlich Mundart spricht, gehört das ‚Neiborjarisch‘ noch immer zum Ortsbild und wird von vielen Menschen mit Stolz gepflegt und lebt bis heute – auf der Straße, in den Vereinen, bei Festen und im täglichen Miteinander. Sie ist ein Stück Neuburger Identität und ein Ausdruck der engen Verbundenheit der Menschen mit ihrem Ort.