Die bewegte Geschichte Neuburgs


Seit der ersten urkundlichen Erwähnung im Jahr 1219 hat Neuburg am Rhein eine außergewöhnliche Entwicklung erlebt. Der Ort wechselte mehrfach seine Herrschaften, war bedeutende Zollstation am Rhein, verlegte seinen Standort von der rechten auf die linke Rheinseite und wurde über Jahrhunderte von Schifffahrt, Fischerei und dem Leben am Fluss geprägt.

Die folgende Chronik gibt einen Überblick über wichtige Ereignisse aus mehr als 800 Jahren Ortsgeschichte. Sie basiert auf der Ortschronik von Gerd Balzer und Jakob Vetter sowie weiteren historischen Quellen.

1219 – Erste urkundliche Erwähnung Neuburgs bei der Erbteilung der Brüder Eberhard und Otto dem Älteren von Eberstein.
1250 – Die Grafen von Eberstein bauen Neuburg zur Stadt aus und sichern damit einen wichtigen Rheinübergang auf der Fernstraße von Metz ins Remstal.
1252 – Lauterburg wird zur Stadt erhoben – damit sind beide Rheinufer gesichert.
1259 – Graf Otto von Eberstein verpfändet Neuburg als Mitgift für Adelheid von Eberstein für 250 Mark Silber an Heinrich von Lichtenberg. Bischof Heinrich von Speyer gibt als Lehnsherr seine Zustimmung.
1280 – Der Salmenfang ist noch frei für jedermann. Erst später wird er zum landesherrlichen Recht.
1318 – Johann II. von Lichtenberg heiratet Gräfin Johanna von Leiningen. Das „Haus Neuburg am Rhein“ wird ihr als Witwenrente verschrieben.
1347 – Kaiser Karl IV. erneuert den Herren von Lichtenberg den Reichszoll auf dem Rhein bei Neuburg und das Geleitrecht zwischen Ettlingen und Lauterburg. Im selben Jahr wird Neuburg für eine Mitgiftsumme von 1.200 Mark Silber an Symon von Zweybrücken-Bitsch verpfändet.
1369 – Heinrich III. von Lichtenberg und sein Sohn Konrad verpfänden Burg und Flecken Neuburg sowie halb Brumath und Buchsweiler um 6.000 Pfund Pfennig an Straßburg.
1383 – Heinrich IV. von Lichtenberg verkauft dem pfälzischen Kurfürsten Ruprecht I. Neuburg mit allen Herrschaften, Zöllen und Lehen für 18.000 Gulden „auf immer und ewig“. Neuburg verbleibt bei der Churpfalz bis 1768.
1393 – Im Tarif für die Rheinzölle ist in den 30 Artikeln wiederholt vom „alten Zoll zu Neuburg“ die Rede.
1400 – Neuburg wird dem Ritter Dieter vom Inseltheim für 6.000 Pfund verpfändet. Kurz darauf erhält Prinzessin „Blanca von England“, Braut Ludwigs III., Neuburg als Hochzeitsgabe von König Ruprecht I.
1462 – Neuburg wird vom Markgrafen Jacob von Baden und dem Herzog von Zweibrücken-Veldenz belagert. Die Besatzung hält stand bis zur Ankunft des Kurfürsten Friedrich von der Pfalz.
1540 – Neuburg kommt als Pfand in den Besitz des Freiherrn von Fleckenstein.


1590 – Ein Weistum beschreibt die verbrieften Rechte der Neuburger beim Lotsendienst zwischen Straßburg und Mannheim.
1592–1595 – Veränderungen des Stromlaufs verlagern Neuburg unfreiwillig vom rechten auf das linke Rheinufer. Der Ort zieht auf das sogenannte „Trockene Wörthel“ – den heutigen Standort.
1603 – Die Schiffszimmerleute-Ordnung von Straßburg zeigt, dass Neuburg für die Straßburger einen wichtigen Grenzpunkt darstellt.
1629 – Die Statuten der Straßburger Schiffsleute-Zunft belegen, dass Neuburg als Grenzpunkt für den Rheinverkehr gilt.
1657 – Die Grundstücksaufteilung am neuen Standort findet ihren Abschluss – festgehalten im ältesten noch erhaltenen Gerichts-Protokollbuch der Gemeinde.
1663 – Die älteste Kirche des Ortes, längs zur Hauptstraße gelegen, wird erbaut.
1666 – Erste urkundliche Erwähnung der Goldwäscherei: Bürgermeister Andreas Göppel verpflichtet sich zur Lieferung von „sechs Simmern gutem Goldsand“.
1679 – Erste Lehrerbesoldung als Nachweis einer Schule in Neuburg.


1701–1714 – Lorenz Seuther als Goldwäscher erwähnt; er muss ein Drittel seiner Ausbeute an die Herrschaft abliefern.
1707 – Isaak Hornberger als erster reformierter Schuldiener erwähnt. Ein Vertrag zwischen Baden und Kurpfalz macht Neuburgweier zur eigenständigen Gemeinde.
1709 – Wegen des herrschenden Kriegszustandes kann in den Goldgründen nicht gearbeitet werden.
1724 – Fährleute bei Wörth betreiben eine Überfahrt, die aus amtlicher Sicht als mehr oder weniger legal angesehen wird.
1730 – Die Goldgründe im Neuburger Bann werden für 41 Gulden versteigert.
1738 – Der Germersheimer Fischermeister versucht alle Fischer von Selz bis Leimersheim in die Zunft zu zwingen. Die Neuburger verweigern dies.
1752/53 – Die evangelische Kirche wird eingeweiht, nachdem die ältere Kirche den Katholiken zugesprochen wurde.
1753 – Nicolaus Neuville als erster katholischer Lehrer im Dienst.
1754 – Im Amt Hagenbach gibt es 7 Goldwäscher; 1765 allein in Neuburg 5.
1765 – Die Fähre zu Wörth wird in Unterpacht der Neuburger Fähre für 72 Gulden jährlich betrieben.
1767 – Die Neuburger Schiffsleute sind in einer eigenen Zunft vereinigt mit einer jährlichen Abgabe von ca. 56 Gulden.
1769 – Neuburg wechselt mit dem Unteramt Hagenbach von der Kurpfalz zum Herzogtum Zweibrücken. Das Zunftwesen der Schiffer und Steuerleute wird neu geordnet.
1769–1780 – Unter zweibrückischer Verwaltung werden jährlich durchschnittlich ca. 1,3 kg Gold abgeliefert.
1790 – Schiffer Philipp Jakob Weisenburger bringt erstmals Bohnenkaffee nach Neuburg – an ihn erinnert noch heute die Kaffeegasse. Im selben Jahr befindet sich die katholische Schule im Haus Nr. 27 in der Schifferstraße.
1792 – Die Französische Revolution sperrt die Schifffahrt auf dem Rhein. Die Netze der Fischer verfaulen in den Fanggründen.


1803 – Der Reichsdeputationshauptschluss bestimmt die Aufhebung aller Rheinzölle. Neuburg verbleibt bei den 12 vertraglich vereinbarten Zollstellen.
1815 – Während der bayerischen Herrschaft wird das Hauptzollamt nach Neuburg verlegt.
1816 – Beginn der bayerischen Herrschaft; die Unterverpachtung der Fähre zu Wörth endet.
1824/25 – Ein größeres Schulgebäude mit zwei Schulsälen und Lehrerwohnung an der Hauptstraße wird errichtet, genutzt bis zum Abriss 1957.
1843 – Größere Renovierung und Umbau der evangelischen Kirche.
1882 – Das letzte Zollamt wird auf Abbruch vergeben. Das Material findet beim Bau des Gasthauses „Zum Sternen“ Verwendung.
1890 – Die dem Dorf gegenüberliegenden Waldungen Bellenkopf, Kastenwörth und Rappenwörth gehen teilweise in den Besitz von Karlsruhe über.
1902 – Der erste Kindergarten öffnet in der Dammstraße seine Türen. Erste Kindergartenschwester ist Lydia Stober vom evangelischen Mutterhaus der Diakonissen in Nonnenweiher.


1919 – Nach dem Ersten Weltkrieg gehört das Elsass wieder zu Frankreich. Die neue Rheinzollstelle wird rechtsrheinisch bei Neuburgweier errichtet.
1920 – Karl Betsch wird Fährmann der Neuburger Fähre.
1922 – Die Fahrensleute des Rheins schließen sich im Schifferverein zusammen.
1923 – Anschluss an die öffentliche Elektrizitätsversorgung. Auf dem Höhepunkt der Separatistenbewegung wird Bürgermeister Karl Zoller III. durch mehrere Schüsse schwer verletzt.
1925 – Einweihung des neuen Schulhauses an der Schulstraße mit 4 Klassenräumen und Lehrerwohnung.
1927 – Errichtung des ersten Feuerwehrgerätehauses am Dorfplatz.
1930 – Ende der Berufsfischerei in Neuburg; die letzten Berufsfischer betreiben den Fischfang mit sogenannten Aalschokkern.
1932 – Nach Gründung des Entwässerungs-Zweckverbandes wird das Pumpwerk am „Bruchloch“ in Dienst gestellt, das noch heute in Betrieb ist.
1935 – Mit dem Verkauf des Bellenkopf an das Land Baden findet der „Umzug“ auf das linke Rheinufer seinen endgültigen Abschluss.
1944 – Die evangelische Kirche wird im Zweiten Weltkrieg vollständig zerstört. Neuburg liegt in der „Roten Zone“ des Westwalles und erleidet schwere Schäden.


1945 – Nach Kriegsende beginnt der Wiederaufbau des schwer beschädigten Ortes.
1949 – Bürgermeister Albert Vollmer tritt sein Amt an (bis 1979). Ärztliche Versorgung durch Dr. Franz Ertl.
1952 – Fertigstellung der neuen evangelischen Kirche. Bau des „Kleinen Schulhauses“ zwischen Haupt- und Schulstraße.
1952–1955 – Errichtung der zentralen Wasserversorgung und Gründung des Wasserzweckverbandes Berg/Neuburg.
1955–1958 – Gestaltung des Schulplatzes mit Gefallenen-Ehrenmal und Schiffermast.
1955 – Einweihung der neu errichteten evangelischen Kirche.
1957 – Geläute der neuen evangelischen Kirche; 1960 folgt die Orgel.
1960 – Gründung der Lotsenvereinigung auf dem Höhepunkt des Lotsengewerbes.
1964 – Der heutige Schiffermast aus Stahl wird auf dem Rathausplatz aufgestellt und feierlich eingeweiht.
1966 – Einweihung der neuen Schule mit Turnhalle in der Wörthenlache.
1967 – Verlagerung der oberen Klassen in die Hauptschule nach Hagenbach.
1968–1974 – Kanalisierung des Ortes und Bau der Kläranlage.
1969 – Hendrikus Heesakker, letzter Fährmann der Neuburger Fähre, beendet seinen Dienst.
1970 – Einweihung der Friedhofshalle mit Erweiterung des Friedhofes.
1970–1980 – Der Bau der Staustufen unterhalb von Straßburg bringt einen drastischen Rückgang des Schiffer- und Lotsengewerbes.
1971–1975 – Bau der Schulsportanlage, Gestaltung des Dorfplatzes, Errichtung von Kinderspielplätzen und Ausbau der Ortsstraßen auf 14 km Länge.
1972 – Anschluss der Gemeinde an die Verbandsgemeinde Hagenbach.
1973 – Besuch des Haushaltsausschusses des Deutschen Bundestages im Rahmen der Planungen „Staustufenbau und Autobahnquerspange“.
1978 – Bürgeraktion gegen den Staustufenbau.
1979 – Neuburg erzielt große Erfolge im Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ und wird überregional bekannt und wird wegen dieser Auszeichnung für den Besuch einer japanischen Delegation ausgewählt.
1984 – Die Autofähre „Baden-Pfalz“ nimmt ihren Betrieb auf und verbindet Neuburg wieder mit dem badischen Ufer.
1985 – Familienerholungsstrand im Derrück eingeweiht.
1986 – Übergabe des Sportgeländes an den FV Neuburg.
1989 – Das „Schiefe Haus“, einstiges Zollamt, wird ins Freilichtmuseum Bad Sobernheim versetzt.
1992 – Freundschaftsbund mit der Gemeinde Hennickendorf bei Berlin. Auflösung der Lotsenvereinigung.
1992/93 – Das „Kleine Schulhaus“ wird zur Bürgerstube mit Seniorentreff und Gemeindebücherei umgebaut.
1993 – Einweihung der Grillhütte im Mittelgrund. Fertigstellung der Bürgerstube. Wegfall der Zollgrenzen innerhalb der Europäischen Union.
1994 – Heinz Degitz tritt die Nachfolge von Bürgermeister Erwin Muth an. Um- und Neubau des Kindergartens mit Gemeindezentrum der protestantischen Kirchengemeinde fertiggestellt.
1995 – Eröffnung des Schifffahrtsmuseums „Lautermuschel“ an der Lautermündung.
1995 – Das Fährfest wird erstmals am 1. Augustwochenende gefeiert.
1997 – Anbau an der Schulturnhalle mit Unterstützung der Vereine.
1998 – Neugestaltung des Ehrenmals.
2001 – Veröffentlichung der 608-seitigen Ortschronik von Gerd Balzer und Jakob Vetter.
2003 – Einweihung des Rheinaue-Museums beim Rathaus.
2007 – Das Eppleseefest knüpft an die Tradition des früheren Schiffer- und Fischerfestes an.
2008 – Neugestaltung des Dorfplatzes durch die Bürger in Eigenregie.
2017 – Neuburg wird Standort eines Wiederansiedlungsprojekts für die Europäische Sumpfschildkröte.
2019 – Neuburg feiert 800 Jahre erste urkundliche Erwähnung.

Heute – Neuburg am Rhein ist eine lebendige Ortsgemeinde mit rund 2.700 Einwohnerinnen und Einwohnern, geprägt von einem aktiven Vereinsleben, großem ehrenamtlichem Engagement und einer engen Verbundenheit mit Rhein, Rheinauen und Bienwald.


Die Chronik erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern soll einen
Überblick über die wichtigsten Stationen der Ortsgeschichte geben.

Wer tiefer in die Geschichte Neuburgs eintauchen möchte, findet in der Ortschronik von
Gerd Balzer und Jakob Vetter (2001) eine ausführliche Darstellung mit zahlreichen historischen
Dokumenten, Bildern und Hintergrundinformationen. Die Chronik ist bei der Gemeindeverwaltung erhältlich.