Ein Ort mit Geschichte – und noch mehr Geschichten


Wer heute durch Neuburg spaziert, erlebt eine lebendige Gemeinde zwischen Rhein und Lauter, eingebettet in die einzigartige Landschaft der Rheinauen. Doch hinter den Straßen, Häusern und Plätzen verbirgt sich eine Geschichte, die kaum außergewöhnlicher sein könnte.

Neuburg hat im Laufe der Jahrhunderte Herren kommen und gehen sehen, Kriege überstanden, den Rhein bezwungen und sich sogar an einen neuen Standort verlegt. Der Ort lag einst auf der rechten Rheinseite und befindet sich heute auf der linken. Schiffer, Fischer, Lotsen, Goldwäscher und Bauern haben das Dorf geprägt und ihre Spuren hinterlassen.

Vieles, was Neuburg bis heute auszeichnet – die besondere Mundart, die enge Verbundenheit mit dem Rhein, die überwiegend protestantische Prägung und der ausgeprägte Gemeinschaftssinn – hat seine Wurzeln in dieser bewegten Vergangenheit.

Wer tiefer in die Geschichte eintauchen möchte, findet sie ausführlich dokumentiert in der 2001 erschienenen Ortschronik von Gerd Balzer und Jakob Vetter, die bei der Gemeindeverwaltung erhältlich ist. In jahrelanger ehrenamtlicher Arbeit entstand ein beeindruckendes Nachschlagewerk mit mehr als 600 Seiten.

Für den schnellen Überblick laden wir Sie hier zu einer kleinen Reise durch die wichtigsten Epochen Neuburgs ein.

Als Neuburg im Jahr 1219 erstmals urkundlich erwähnt wird, ist der Ort längst mehr als nur ein kleines Dorf am Rhein. Die günstige Lage am Rhein macht Neuburg früh zu einem bedeutenden Übergang und einer wichtigen Zollstation auf einer der großen Handelsachsen Europas.

Wo Waren fließen, fließt Geld. Und wo Geld fließt, bleibt Besitz selten lange in einer Hand. So wechselt Neuburg in den folgenden Jahrhunderten mehrfach den Eigentümer. Grafen, Fürsten und Kurfürsten reichen den Ort weiter, verpfänden ihn oder vergeben ihn als Mitgift. Mal gehört der Ort den Ebersteinern, dann den Lichtenbergern, später der Kurpfalz.

Doch nicht nur die Herrschaften prägen den Ort. Das Leben der Menschen wird vor allem vom Rhein bestimmt. Fischer nutzen die reichen Fischbestände, Goldwäscher suchen nach den begehrten Körnchen im Flusssand, Schiffer transportieren Waren stromauf und stromab. Bereits damals entwickelt sich eine enge Verbindung zwischen den Neuburgern und „ihrem“ Rhein, die bis heute spürbar ist.

Kein Krieg, kein Fürst und keine politische Entscheidung haben Neuburg so grundlegend verändert wie der Rhein selbst.

Ende des 16. Jahrhunderts verlagert der Fluss sein Bett und verändert seinen Lauf – langsam aber unaufhaltsam. Die Folgen sind dramatisch: Das ursprüngliche Neuburg liegt plötzlich auf einer anderen Seite des Stroms. Schritt für Schritt verlagert sich der Ort auf das sogenannte „Trockene Wörthel“, den heutigen Standort Neuburgs.

Damit gehört Neuburg zu den wenigen Orten der Region, die gewissermaßen umgezogen sind – nicht durch Menschenhand, sondern durch die Kraft der Natur.

Obwohl der Rhein Neuburg und Neuburgweier nun voneinander trennt, bleiben beide noch viele Jahre eine gemeinsame Dorfgemeinschaft. Erst 1707 endet diese gemeinsame Geschichte: Ein Vertrag zwischen Baden und der Kurpfalz macht Neuburgweier zu einer eigenständigen Gemeinde.

Der Rhein bleibt dennoch die Lebensader des Ortes. Lotsen und Schiffer genießen hohes Ansehen und organisieren sich später sogar in einer eigenen Zunft. Ihr Wissen über Strömungen, Untiefen und Wasserstände ist für die Schifffahrt auf dem Rhein von unschätzbarem Wert.

Mit dem Übergang zum Herzogtum Zweibrücken beginnt für Neuburg eine vergleichsweise ruhige Zeit. Handel, Schifffahrt und Handwerk prägen den Alltag und sorgen für Entwicklung und bescheidenen Wohlstand.

Eine kleine Besonderheit erinnert bis heute daran: 1790 brachte der Schiffer Philipp Jakob Weisenburger erstmals Bohnenkaffee nach Neuburg. Damals war Kaffee noch eine echte Rarität. Die heutige Kaffeegasse erinnert bis heute an diese Geschichte.

Auch das Bildungswesen entwickelt sich weiter. Schulen entstehen, Lehrer werden angestellt und die beiden großen Konfessionen bauen ihre kirchlichen Strukturen aus. Während die katholische Kirche bereits seit dem 17. Jahrhundert besteht, errichtet die evangelische Gemeinde Mitte des 18. Jahrhunderts ihr eigenes Gotteshaus.

Mit dem Ende der Rheinzölle im Jahr 1803 verliert Neuburg zwar seine historische Funktion als Zollstation, gewinnt aber zunehmend an Bedeutung als Schiffer- und Fischerdorf. Die Menschen orientieren sich weiterhin am Fluss – nur unter neuen Vorzeichen.

Die Jahrzehnte vor und nach dem Ersten Weltkrieg bringen große Herausforderungen mit sich. Nach dem Versailler Vertrag leidet die gesamte Region unter wirtschaftlichen Schwierigkeiten, Arbeitslosigkeit und politischen Spannungen.

Gleichzeitig hält die Moderne Einzug. 1923 wird Neuburg an das öffentliche Stromnetz angeschlossen. Schulen und öffentliche Einrichtungen werden erweitert und modernisiert.

Doch selbst mehr als 300 Jahre nach der Verlagerung des Dorfes wirkt der Rhein noch nach. Erst 1935 findet der jahrhundertelange Prozess des „Umzugs“ seinen endgültigen Abschluss, als mit dem Verkauf des Bellenkopf an das Land Baden die letzten wesentlichen Besitzungen Neuburgs auf der rechten Rheinseite aufgegeben werden.

Der Zweite Weltkrieg hinterlässt tiefe Wunden. Als Teil der sogenannten „Roten Zone“ liegt Neuburg in einem besonders gefährdeten Gebiet entlang des Westwalls. Gebäude werden beschädigt oder zerstört, darunter auch die evangelische Kirche. Viele Familien erleben Flucht, Verlust und Entbehrungen.

Mit dem Krieg endet zugleich ein Kapitel der Ortsgeschichte: Die einst bedeutende Berufsfischerei verschwindet endgültig aus Neuburg.

Nach den schweren Kriegsjahren beginnt der Wiederaufbau – nicht nur von Gebäuden, sondern von Gemeinschaft. Mit großem Engagement entstehen neue Schulen, Sportanlagen, Kinderspielplätze, eine moderne Wasserversorgung und zahlreiche weitere Einrichtungen, die das Ortsbild bis heute prägen.

Besonders die jahrzehntelange Amtszeit von Bürgermeister Albert Vollmer steht für diese Entwicklung. Unter seiner Führung wächst Neuburg zu einer modernen Wohngemeinde heran, ohne dabei seine Wurzeln zu verlieren.

Die Auszeichnungen im Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“, die Partnerschaft mit Hennickendorf, die Eröffnung des Rheinaue-Museums und die Neugestaltung des Dorfplatzes zeigen, wie sehr sich die Menschen mit ihrem Ort identifizieren.

Auch Traditionen werden gepflegt. Aus dem früheren Schiffer- und Fischerfest entwickelte sich das heutige Eppleseefest, das alle drei Jahre zahlreiche Besucherinnen und Besucher anzieht und die Verbundenheit der Neuburger mit ihrer Geschichte sichtbar macht.


Neuburg – Ein Ort, der Geschichten erzählt

Seit der ersten urkundlichen Erwähnung im Jahr 1219 bis heute ist Neuburg
aus einer Zollstation am Rhein zu einer modernen Gemeinde geworden.

Doch eins ist geblieben: Die Nähe zum Rhein, die besondere Gemeinschaft –
und die Freude daran Geschichten weiterzuleben.

Wenn Sie mehr erfahren möchten, besuchen Sie das Rheinauenmuseum
oder kommen Sie mit den Neuburgerinnen und Neuburgern ins Gespräch.
Am besten bei einem der zahlreichen Fest und Veranstaltungen, auf dem Dorfplatz oder
bei einem Pfälzer Schoppen – denn Geschichte wird in Neuburg nicht nur bewahrt,
sondern auch gerne weitererzählt.